Geschichte des Deutschen Bergbau-Museums Bochum

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum (DBM) wurde am 1. April 1930 gegründet. Aus den überschaubaren Anfängen eines „Geschichtlichen Museums des Bergbaus“ ist im Verlauf von inzwischen über 80 Jahren das weltweit größte Bergbau-Museum entstanden. Auf rund 8000 m² Ausstellungsfläche und in einem auf 2,5 km Länge ausgebauten Anschauungsbergwerk bietet das Museum eine Übersicht zahlreicher Formen der Rohstoffgewinnung. Dabei geht es nicht nur um Kohle, sondern auch um Salz, Gold, Silber, Kupfer und schließlich um seltenere Rohstoffe wie Lithium und Molybdän. In Forschung und musealer Präsentation werden die Zusammenhänge von Rohstoffgewinnung, nachfolgender Verarbeitung sowie die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen aufgezeigt. Die Erforschung und Darstellung des Bergbaus als einer Urproduktion der Menschheit und zugleich als bis heute unverzichtbarer, weltweit tätiger Wirtschaftszweiges trägt entscheidend zum Verständnis der Entwicklung und zum gegenwärtigen Stand unserer Gesellschaft und Kultur bei.



Die Gründungsgeschichte

1868-1930

Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte der Bergbau zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen Deutschlands. Bereits 1868 gründete in Bochum die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK), das Gemeinschaftsunternehmen des Ruhrbergbaus, eine Lehr- und Schausammlung „Bergbaulicher Utensilien“, um jungen Bergleuten – nicht der breiten Öffentlichkeit – die Technik des Bergbaus und die Natur des Steinkohlengebirges zu vermitteln. Pläne für ein öffentlich zugängliches Bergbaumuseum in Bochum zu gründen, wurden zwar diskutiert, wegen der schlechten Wirtschaftslage bis 1927 aber nicht umgesetzt. Dann aber ergriffen die Stadt Bochum und die WBK die Initiative, und Heinrich Winkelmann, Bergingenieur und der spätere erste Museumsdirektor, konzipierte die Umgestaltung des ehemaligen Schlachthofes in ein Museum. Es entstand also keineswegs aus den Anlagen einer ehemaligen Zeche, wie auch heute noch viele Besucher annehmen.



Die Aufbauphase

1930-1945

Der Startschuss war die Gründung am 1. April 1930 durch die Stadt Bochum und die Westfälische Berggewerkschaftskasse. Das in der ehemaligen Großviehschlachthalle entstandene Museum wird zunächst durch einen Direktor, einen Modellmeister und einen Modellwärter betrieben und wächst schrittweise.
Für das heutige Erscheinungsbild maßgeblich prägend ist der 1935 beschlossene, repräsentative Museumsneubau nach Entwürfen des renommierten Industriearchitekten Fritz Schupp. Um den Besuchern ein möglichst echtes Arbeitsleben unter Tage zu vermitteln, war von Anfang an der Bau eines Anschauungsbergwerks vorgesehen. Ende Juni 1937 wurde hierzu ein Schacht abgeteuft, damit die erste Strecke aufgefahren werden konnte. 1940 waren im Anschauungsbergwerk in etwa 17 Meter Tiefe bereits 600 Meter Strecke und Querschläge aufgefahren sowie größtenteils ausgebaut.
Der noch nicht vollständig fertige Museumsneubau wurde durch Luftangriffe der Alliierten stark beschädigt, 1943 musste das Museum wegen des Krieges geschlossen werden. Die wenigen, verbliebenen Museumsmitarbeiter brachten wertvolle Stücke der Sammlung in Sicherheit und bauten das Anschauungsbergwerk zum Luftschutzbunker um, der zum meist beanspruchten Schutzraum Bochums wurde. 1945 fanden täglich zwischen 580 und 760 Bochumer hier Schutz vor den Luftangriffen.



Wiederaufbau und Nachkriegszeit

1946-1962

Nach Kriegsende standen zunächst Aufräum- und Restaurierungsarbeiten an, bevor 1946 eine erste kleine Ausstellung eröffnet wurde. Ab 1948 war auch das Anschauungsbergwerk wieder zugänglich. Bereits 1947 gründete sich die „Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V.“ Der Förderverein des Museums ist auch heute äußerst engagiert und fördert tatkräftig zahlreiche Aktivitäten rund um den Bergbau. Das DBM erhielt 1953 mit dem „Mittelbau“ ein neues Gebäude mit einer zusätzlichen Ausstellungsfläche von 1.000 m2. 36 Bergwerkskassen stifteten das mächtige, dreiflügelige Bronze-Portal mit 30 Reliefs der Düsseldorfer Künstler Otto Bussmann und Maria Schlüter. In den 1950er Jahren führten die Bergbauspezialisten des Museums die bereits 1942 begonnenen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Montanarchäologie fort.



Mit neuem Profil – Der Weg zum Forschungsmuseum

1962-1977

Unter dem Museumsdirektor Hans Günter Conrad, der 1962 seinen Dienst antrat, wurde das historisch ausgerichtete Museum erweitert und zu einem „Forschungsmuseum“ umgestaltet, d. h. zu einem von Bund und Ländern mitfinanzierten, außeruniversitären Forschungsinstitut. 1969 wurde das Bergbau-Archiv gegründet. Es hatte das Ziel, Schriften, Akten, Fotos – also Zeugnisse aller Art aus dem gesamten deutschen Bergbau – zu sammeln, zu sichern und zu erschließen. Gegenwärtig beherbergt es über 250 Bestände und knapp 30 Sondersammlungen, die über 4,5 Regalkilometer belegen. Die Sammlungen von Bergbau-Archiv, Bibliothek und Fotothek sind heute im Montanhistorischen Dokumentationszentrum (montan.dok) zusammengefasst.
1973 erhielt das Deutsche Bergbau-Museum sein Wahrzeichen. Das ehemalige Doppelbock-Fördergerüst der stillgelegten Schachtanlage „Germania“ mit seinen 71,4 m Höhe und 650 t Gewicht geht auf Entwürfe des Industriearchitekten Fritz Schupp zurück. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut, der Anschauungsbergwerk, Aussichtsplattform und Museum miteinander verbindet. Mit der Bewahrung des Gerüstes setzte das DBM damals die Diskussion über die Konservierung von technischen Industrieanlagen als erhaltenswerte Denkmäler in Gang. Die Pflege technischer Denkmäler gehört seitdem zu den Forschungsaktivitäten des Museums. In der Bewertung seiner Bedeutung als Fach- und Spezialmuseum in der Museumslandschaft in Deutschland und im internationalen Rahmen wurde das Bergbau-Museum am 01. März 1976 in Deutsches Bergbau-Museum (DBM) umbenannt.


Das Forschungsmuseum

1977-2013

1977 wurde das Deutsche Bergbau-Museum von der Bund-Länder-Kommission (BLK) als Forschungsmuseum anerkannt und in die gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder aufgenommen. Es gehört seither zu den Instituten der „Blauen Liste“, heute Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). 1979 wurde das DBM in die Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.
1980 feierte das Deutsche Bergbau-Museum sein 50-jähriges Bestehen. 1986 wurde der „Erweiterungsbau Süd“ eröffnet. In dem 3.000 m2 großen Anbau fanden neue Ausstellungsbereiche, ein Hörsaal und ein Seminarraum sowie die Cafeteria und das Restaurant Platz. Der damalige Direktor Prof. Dr. Rainer Slotta (1987 - 2011) initiierte die großen Sonderausstellungen, welche die überregionale Ausstrahlung des Museums fördern. Seit 2012 hat Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff das Amt des Direktors inne.
Im Anschauungsbergwerk, das bislang ausschließlich den Betrieb in einem Steinkohlenbergwerk an der Ruhr demonstriert hatte, setzten Arbeiten an der Präsentation eines damals modernen Eisenerzbergwerks ein. Dieses konnte 1987 eingeweiht werden. Im Jahr 2003 wurde nach 10-jähriger Bauzeit ein moderner Schildstreb im Anschauungsbergwerk eröffnet. Damit dokumentierte das DBM als einziges Bergbaumuseum bundesweit den gegenwärtigen Stand der Technik im Steinkohlenbergbau. 2005 feierte das DBM sein 75-jähriges Bestehen. Die Sammlungen umfassen nun gut eine Viertelmillion Objekte. Mit dem „Schwarzen Diamanten“ konnte 2009 ein architektonisch moderner Anbau eröffnet werden. In dem neuen Anbau können Sonderausstellungen zeitgemäß präsentiert werden.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt erhielt das DBM 2010 das RUHR.VISITORCENTER. Es ist eines von nur fünf Besucherzentren, die im Ruhrgebiet entstehen. Hier finden Besucher Informationen zu attraktiven Orten, Ereignissen und kulturellen Angeboten aller Art, um sich in der „Metropole Ruhr“ zu orientieren.

Anschrift

Am Bergbaumuseum 28
44791 Bochum

Zentrale
Tel +49 (234) 5877 0
Fax +49 (234) 5877 111

Besucherinformation
Tel +49 (234) 5877 126/128
(außer montags)

Öffnungszeiten

Mo
geschlossen
Di-Fr
08.30-17.00 Uhr
Sa-So, Feiertage
10.00-17.00 Uhr
01. Jan, 01. Mai, 24.-26. und 31. Dez
geschlossen

Letzte Grubenfahrt 15.30 Uhr, letzte Turmfahrt 16.30 Uhr.

Preise

Erwachsene
6,50 €
Erwachsene ermäßigt
3,00 €
Familienkarte
14,00 €
Jahreskarte
15,00 €
Familien-Jahreskarte
30,00 €
RUHR.Visitorcenter